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Warum bleiben so wenige junge Spieler*innen?

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von Kurt-Willi Sirrenberg

Hallo, ich heiße Willi, bin 65 Jahre alt, verheiratet und habe zwei erwachsene Töchter. Ich bin alkoholkrank und seit Jahrzehnten spielsüchtig, aber seit langen Jahren trocken und seit mehreren Jahren spielfrei.


Irgendwann merkte ich, dass die Glücksspielsucht mehr und mehr mein Leben bestimmte, und ich begann Partnerschaft, Beruf und soziale Kontakte zu vernachlässigen. Ich richtete mein Leben nach meiner Spielsucht aus. Es kamen Depressionen hinzu, und ich realisierte, dass ich etwas ändern musste, wenn es mir besser gehen sollte.

Seit Anfang 2016 bin ich Mitglied in einer Selbsthilfegruppe für süchtige Glücksspieler*innen in München. Seit Mitte 2017 bin ich dort Gruppenleiter. Die Gruppe ist für mich das Sicherheitsnetz meine Spielfreiheit dauerhaft aufrecht zu erhalten.
Im Durchschnitt wird meine Selbsthilfegruppe von ca. 6 – 7 Personen besucht. Der Altersdurchschnitt in meiner Gruppe liegt etwas über 50 Jahre, wobei unser jüngstes Stammmitglied 45 Jahre alt ist. Junge Spieler (etwa unter 30 Jahren) kommen häufig hochmotiviert, aber nach wenigen Besuchen bleiben sie der Gruppe wieder fern. Ältere Spieler, insbesondere im Alter von über 50 Jahren bleiben in der Regel dauerhaft.

Ich mache mir hierüber schon länger Gedanken.
Mein Wunsch wäre, mehr junge Leute langfristig für meine Gruppe zu begeistern, um sie so bei der Erlangung einer dauerhaften Spielfreiheit unterstützen zu können.
Was können die Gründe sein, dass junge Spieler Selbsthilfegruppen oft nicht dauerhaft in Anspruch nehmen?
Kann es sein, dass sie auf Grund ihres jungen Alters ihren „persönlichen Tiefpunkt“ noch nicht erreicht haben, wie es oft so heißt?
Ich denke aber, dass es gar keinen Tiefpunkt geben muss. Ein Ausstieg aus der Abhängigkeit sollte doch immer möglich sein.
Oder fühlen sich junge Spieler im Kreise von älteren Personen nicht wohl?
Brauchen junge Spieler vielleicht spezielle Themen, um sich angesprochen zu fühlen?

Es ist doch toll, wenn ein junger Spieler frühzeitig merkt, dass er etwas ändern muss, um wieder Freude am Leben zu haben und sein Leben wieder selbst zu bestimmen.
Die Glücksspielangebote sind in den letzten zehn Jahren viel mehr geworden und haben ein weitaus höheres Suchtpotenzial als früher. So verstehe ich, dass abhängige Spieler lange Zeit brauchen, um Ihre Situation richtig einschätzen zu können.
Es kann aber auch sein, dass viele junge Spieler auch selber wieder in die Spur kommen und wieder kontrolliert spielen können, ohne weitere Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Dies war mir selber nicht möglich.
Ich selber musste sechzig Jahre alt werden, bis ich bereit war, etwas gegen meine Glücksspielsucht zu unternehmen und mir Hilfe zu holen.

Wie denkt Ihr darüber? Schreibt uns doch eure Meinung!

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