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Alte Äste … Neue Triebe …

Vorab: Wie es zu diesem Artikel kam…

Neulich saßen wir wieder mal online zusammen im Redaktionsteam (Patricia, Tom, Willi, Werner und ich) und sondierten die Lage nach Themen für die Selbsthilfegruppen. Wir taten uns diesmal etwas schwer, ein knackiges Thema zu finden, und verloren uns zwischendurch im Nirwana der Regulierung des Glücksspielwesens. Werner (Hansch) war neu dabei. Er hätte auch Philosoph werden können, so wortreich sind seine Beiträge. Berühmt geworden ist er ja mit seinen markigen Sportkommentaren. So warf er das Thema des Beginns einer Selbsthilfegruppe auf, indem er fragte, ob man da nicht mal etwas anders machen könnte, als immer in die Runde zu fragen, was denn seit der letzten Woche bei jedem passiert sei und wie es denn jetzt gehe.
Das beschäftigte mich auch nach unserer Besprechung noch – bis zum Ästeschneiden am Samstagvormittag …
… da hatte ich das Bild, das sich auch auf die Gruppenarbeit in einer Selbsthilfegruppe übertragen lässt:

Alte Äste müssen geschnitten werden, damit Kraft für neue Triebe da ist.
Diesen alten Ästen muss man Namen geben, damit man sie im Äste-Gewirr findet. Oft sind sie verborgen und blockieren den Austausch mit der Umwelt. Sie haben viele unterschiedliche Namen: „Kenn ich nicht, mag ich nicht“ oder „Was soll das schon bringen?“ oder „Ich bin doch kein….“ oder „Kann ich nicht“ – „Ich muss mich darstellen hier“ – „Über Gefühle spricht man nicht“ – „Ist mir peinlich“ usw. usw. usw.

Hier einer der vielen Vorschläge, wie sich der Gruppenbeginn anders gestalten lässt:
Zuerst sollte ja immer eine sehr kurze Eingangsrunde (Blitzlicht) gemacht werden, in der alle darüber informieren, ob sie spielfrei sind oder nicht. Man kann hierzu auch das Ampelmodell mit drei farbigen Karten nehmen: Grün = alles ok, Gelb = im Moment gefährdet, Rot = rückfällig; Gelb und Rot haben dann erst mal Vorrang in der Reihenfolge.

Wenn bei Gruppenbeginn alle im grünen Bereich sind, könnte es so weitergehen:
Ihr habt vorher viele Ansichtskarten (20 bis 30 sollten reichen) mit verschiedensten Motiven gesammelt: von Gesichtern über Städte, Menschen, Gruppen, Blumen, Bücher, künstlerische Dinge und dergleichen.

Zu Beginn der Gruppe verteilt ihr die Karten auf dem Tisch, sodass sie gut zu sehen sind. Die Gruppe steht auf, geht um den Tisch und jede/r sucht sich für den aktuellen Abend eine Karte aus und erzählt, was diese Karte bei ihr oder ihm auslöst. Alles geschieht freiwillig – wenn jemand die Karte nicht kommentieren möchte, ist das auch ok.
Aus der Gruppe kann nun die eine oder andere Frage kommen. Das hilft möglicherweise, miteinander ins Gespräch zu kommen über Themen, mit denen man sich sonst eher schwertut.