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Meine Besuche bei den Glücksspieler-Selbsthilfegruppen in Schleswig-Holstein

Meine Besuche bei den Selbsthilfegruppen in Schleswig-Holstein

Insgesamt fünf Stationen hatte ich mir in Schleswig-Holstein vorgenommen. Von Flensburg bis nach Kiel wollte ich Selbsthilfegruppen kennenlernen.

Schon im Vorfeld, als ich meine Besuche mit jeder Gruppe vereinbart hatte, kam mir viel Interesse und Neugier entgegen: Wer denn da kommt und was das für ein Verband ist, der sich um Glücksspielsüchtige in Selbsthilfegruppen kümmert?
Mit Laptop und Beamer im Rucksack suchte ich die Treffpunkte auf.

In der Klinik Nordfriesland in Breklum sind über 20 Rehabilitand*innen anwesend.
Mein Hotspot funktioniert nicht, Kazim (Name geändert) ist Experte und verschafft mir an meinem Handy sofort den Internetzugang. Damit bin ich auch für die anderen Besuche gerüstet. Danke!
Unser Film „Gesicht zeigen“ wird gut aufgenommen. Aber – so eine kritische Frage – wie läuft eine Selbsthilfegruppe ab? Wie sieht das Programm aus und gibt es Regeln? Ich kann nur wenig dazu sagen, da ich kein Betroffener bin und Selbsthilfegruppen nicht durch eigene Erfahrungen kenne. Das bringt mich auf die Idee, beim nächsten Mal so eine Veranstaltung mit einem Betroffenen zusammen durchzuführen.

Auf meiner weiteren Reise treffe ich auf Gruppenleiter, die man als echte Urgesteine in der Selbsthilfe bezeichnen kann. Sie kommen bei Wind und Wetter, ob zwei oder 15 Leidtragende eintreffen. Sie sind da und kümmern sich um ein gutes Ankommen der Neuen. „So kommt es auch vor, dass man etliche Wochen alleine dasitzt…“ berichtet Rudi (Name geändert). „Aber man denkt an seine eigene Spielerkarriere vor vielen Jahren und an die Mitbetroffenen, die einem rausgeholfen haben: Die waren auch bei Wind und Wetter vor Ort!“

Einer der Treffpunkte mitten in einer Wohnsiedlung findet in einem Familienzentrum statt. Auch hier pendelt die Teilnehmerzahl zwischen drei und neun Mitgliedern. Der Ort ist eigentlich ideal um bei Nachbarschaftsfesten oder sonstigen Anlässen als Gruppe dabei zu sein. Aber das gehört nicht unbedingt zu den Zielen so mancher Gruppe – gegen die Öffentlichkeitsarbeit bestehen Vorbehalte. Dennoch, die Plakate, Postkarten und Notfallkärtchen mit dem Slogan „Selbsthilfe wirkt“ finden alle gut: Endlich mal etwas für die Glücksspieler-Selbsthilfe. So sollen sie bald an verschiedensten Orten in öffentlichen Einrichtungen aufgehängt werden.

Ich erlebe auch die Aufnahme von neuen Spielern in der Gruppe – eine besondere Herausforderung für den „Neuling“! Für die Gruppe! Dann steht immer die Frage im Raum „Wird er/sie wiederkommen?“ „Ja ich komme wieder“, höre ich zweimal. Erleichterung ist bei dem neuen Besucher und der ganzen Gruppe zu spüren – angedockt!
Wir diskutieren wie man Spieler in Zukunft besser vor den Gefahren des Glücksspiels schützen kann. Viele Erfahrungen und Vorschläge, wie z. B ein einheitliches Sperrsystem über alle Glücksspiele, Werbeverbot usw., werden geäußert. Als ich in einer Gruppe von Kämpfen unseres Verbandes mit Glücksspielanbietern berichte, kommt spontan der Vorschlag, dass die Gruppe Mitglied werden könnte. Mich freut so ein Engagement natürlich sehr, weil wir als Vereinigung stärker werden müssen, um uns in der Politik mehr Gehör für den Spielerschutz zu verschaffen.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich größten Respekt vor den Betroffenen und ihren Gruppenleiter*innen habe: jede Woche füreinander da sein, sich zuhören, wo sonst niemand Acht gibt, sich loben, sich durch Krisen helfen und miteinander solidarisch sein.

Ich komme wieder, keine Frage: Moin nach Schleswig-Holstein!